Anliegen
Willkommen auf www.lebenssensibel.de, der Praxisplattform für Suizidprävention in sozialen Einrichtungen und Diensten im Bistum Münster. Hier erhalten Sie Informationen über Wissenswertes, Schulungen, Orientierungshilfen und unser Beratungsangebot in Fragen der Suizidprävention und Suizidassistenz.
WARUM SUIZIDPRÄVENTION?
Viele Menschen leiden unter psychischer Belastung, Einsamkeit und Zukunftsängsten. Als KlientInnen der sozial-caritativen Arbeit verdienen sie von Mitarbeitenden frühe Aufmerksamkeit und offenes Nachfragen. Dies kann Leben retten, bevor aus einer Krise akute Verzweiflung wird. Es zum Thema zu machen, darüber zu sprechen schafft Entlastung, Sicherheit, Orientierung und Hoffnung – für Betroffene, Angehörige und Fachkräfte gleichermaßen. Mitarbeitende in Diensten und Einrichtungen der Gesundheitshilfe kommen heute vermehrt mit Anfragen von KlientInnen nach assistiertem Suizid in Berührung. Dialog, Beratung und Schulung können Handlungssicherheit geben, um für Betroffene in Not Lebensperspektiven eröffnen.
LEBENSSENSIBEL – UNSERE HALTUNG
»Die größte Nähe entsteht dort, wo wir unsere Verletzlichkeit teilen«, sagte der Theologe und Psychologe Henri J. M. Nouwen. Wer sich der eigenen Verletzlichkeit bewusst ist, kann anderen mit besonderem Verständnis, Einfühlungsvermögen und Respekt begegnen. Diese Haltung prägt das, was wir Lebenssensibilität nennen. Sie umfasst erstens eine Empfindsamkeit für Lebensthemen, existenzielle Notlagen und damit Achtsamkeit im Umgang mit Menschen in Krisen, zweitens eine feinfühlige, nicht verletzende sowie nicht moralisierende Kommunikation und drittens eine lebensbejahende Grundhaltung – auch in Grenzsituationen.
Wissenswertes
Hier finden Sie kompakte, verlässliche Informationen und aktuelle Fakten, die helfen, schwierige Situationen besser zu verstehen und Orientierung zu gewinnen.
Suizidalität beschreibt das gesamte Spektrum von Gedanken, Gefühlen und Verhaltensweisen, die auf den Wunsch oder die Vorstellung gerichtet sind, das eigene Leben zu beenden. Sie reicht von flüchtigen Überlegungen bis hin zu konkreten Plänen und Handlungen. Suizidalität entsteht meist aus einer Überlastungssituation, in der Menschen keinen anderen Ausweg mehr sehen. Häufig spielen psychische Erkrankungen, existenzielle Krisen oder soziale Belastungen eine Rolle. Sie ist immer ein ernstes Warnsignal – und zugleich ein Ausdruck davon, dass jemand Hilfe und Entlastung braucht.
Suizidalität kann grundsätzlich jeden Menschen betreffen, doch bestimmte Gruppen tragen ein erhöhtes Risiko. Besonders gefährdet sind Menschen, die unter schweren psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Suchterkrankungen leiden. Auch belastende Lebensereignisse – etwa Verluste, Gewalt, Mobbing, chronische Krankheit oder massive Überforderung – können die Gefahr erhöhen. Jugendliche, ältere Menschen und Personen mit fehlenden sozialen Unterstützungsnetzen gelten ebenfalls als vulnerable Gruppen. Ein erhöhtes Risiko besteht für Männer im höheren Alter. Der Übergang in ein neues Zuhause als „Systemwechsel“ in eine Pflegeeinrichtung verdient eine besondere Aufmerksamkeit. Das unterstreicht die Bedeutung gezielter Suizidpräventionsmaßnahmen direkt nach Aufnahme und in den ersten Monaten vor Ort.
Todeswünsche sind Gedanken oder Gefühle, in denen sich Menschen wünschen, nicht mehr zu leben oder „einfach nicht mehr da zu sein“. Sie entstehen häufig aus Überforderung, Erschöpfung oder seelischen Schmerzen und sind ein Ausdruck tiefer innerer Not. Todeswünsche bedeuten nicht automatisch, dass jemand konkrete Suizidabsichten hat, können aber ein wichtiges Warnsignal sein. Formulierungen wie »Ich kann nicht mehr«, »Das macht so keinen Sinn mehr«, »Ich will niemanden zur Last fallen« verdienen verstärkter Aufmerksamkeit.
Viele Betroffene schämen sich für ihre Gedanken und sprechen nicht darüber. Umso wichtiger ist es, Todeswünsche ernst zu nehmen und frühzeitig Unterstützung anzubieten. Es fängt an mit dem proaktiven, zugleich einfühlsamen Nachfragen wie etwa »Hattest du schon einmal den Gedanken, dass es besser wäre, nicht mehr zu leben?« Die Äußerung eines Wunsches nach Lebensende ist zuallererst Beziehungsaufnahme, nicht zwingend der Aufruf nach Planung von Maßnahmen. Zu Todeswünschen kann auch akute Suizidalität gehören. Dann ist direktes Helfen gefragt.
Die Äußerung eines Wunsches nach Lebensende ist zuallererst Beziehungsaufnahme, nicht zwingend der Aufruf nach Planung von Maßnahmen.
Todeswünsche
Arbeitshilfen
In diesem Bereich finden Sie praktische Materialien, Vorlagen und Orientierungshilfen, die Ihre Arbeit im Alltag unterstützen und erleichtern.
Das Praxisinstrument des Zentrums für Palliativmedizin an der Uniklinik Köln können Sie hier downloaden.
Die Praxishilfe zum Umgang mit suizidalen Äußerungen in der Pflegeberatung vom Nationalen Suizidpräventionsprogramms können Sie hier abrufen.
Das Praxisinstrument des Zentrums für Palliativmedizin an der Uniklinik Köln können Sie hier downloaden.
Die »Empfehlungen zur Berichterstattung über Suizide« des Nationalen Suizidpräventionsprogramms können Sie hier abrufen.
Das Orientierungspapier der Deutschen Bischöfe können Sie hier downloaden.
Schulungen
Unsere Schulungen vermitteln praxisnahes Wissen und stärken Fachkräfte darin, sicher und sensibel mit herausfordernden Situationen umzugehen.
Das Praxisinstrument des Zentrums für Palliativmedizin an der Uniklinik Köln können Sie hier downloaden.
Beim „Ethik-Café“ handelt es um ein innerbetriebliches Fortbildungsformat der moderierten Besprechung von pflege- und medizinethischen Fragen. Mitarbeitende können hier im ungezwungenen kollegialen Austausch und in einem überschaubaren zeitlichen Rahmen sich Rat holen und Rat geben. Die Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen zur Sterbehilfe mit dem Schwerpunkt der Suizidassistenz wird erfahrungsbezogen und dialogisch gestaltet.
Das Orientierungspapier der Deutschen Bischöfe können Sie hier downloaden.
Ethische Fragen gehören zum Alltag sozialer Arbeit: Zielkonflikte, Grenzsituationen und schwierige Entscheidungen verlangen nach Orientierung und gemeinsam getragener Verantwortung. Ein Ethikgremium schafft dafür einen strukturierten Raum. Der Fortbildungsworkshop vermittelt praxisnah, wie ein Ethikgremium gegründet, verankert und wirksam gestaltet werden kann. Teilnehmende lernen Aufgaben, Rollen und Arbeitsweisen kennen und entwickeln konkrete Schritte für die Umsetzung in der eigenen Organisation.
Beratungsangebot
Unser Angebot umfasst die Beratung von Diensten und Einrichtungen, die einen Umgang insbesondere mit Fällen von assistiertem Suizid finden wollen. Dies kann etwa im Rahmen einer telefonischen Ad-hoc-Beratung oder etwa einer leitfadengestützten (Team-)Fallbesprechung vor Ort (»Mobile Ethikberatung«) geschehen. Auch zur Unterstützung in Fragen einer grundsätzlichen Positionierung zu Fragen der Suizidprävention oder Suizidassistenz nehmen Sie gern Kontakt auf.
Nicole Rusche
Ethikberaterin im Gesundheitswesen
Referentin für Hospiz- & Palliativversorgung,
Caritasverband für die Diözese Münster
Dr. Boris Krause
Ethikberater im Gesundheitswesen
Referent für Theologie & Ethik,
Caritasverband für die Diözese Münster
ETHIKFORUM IM BISTUM MÜNSTER
CARITASVERBAND FÜR DIE DIÖZESE MÜNSTER E.V.
KARDINAL-VON-GALEN-RING 45
48149 MÜNSTER
TEL: +49 251 8901 0
MAIL: INFO@ETHIKFORUM.MS
WEB: WWW.ETHIKFORUM.MS